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Mosaikportale für das Gebäude der Sihlpost in Zürich 1929
Kasernenstrasse 95 und 97

Das massive Gebäude der Sihlpost wurde 1928 bis 30 durch die Architekten Gebr. Bräm im Stil des Neuen Bauens errichtet. Das Gebäude war eine der grossen Bauaufgaben Zürichs der damaligen Zeit und wurde wegen der Eisenbetonkonstruktion des Ingenieurs Robert Maillard in Fachzeitschriften vielfältig gewürdigt.

Die beiden Mosaikportale von Carl Roesch fügen sich dezent in die Fassade des grossen Gebäudeblocks ein. Farblich sind sie in sanften, natürlich wirkenden Braun- und Blautönen gehalten. Mit der Eröffnung der Sihlpost 1930 begann die Mechanisierung der Postverarbeitung in Zürich. Carl Roesch ordnete jeweils 13 Einzelfelder mit Motiven und figürlichen Szenen zu den Themen «Transport und Verpackung» symmetrisch um die Eingangsbereiche. Beide Portale sind nach dem gleichen Schema aufgebaut und stehen durch die Bewegungsrichtungen der jeweils sechs Motive auf den Aussenfeldern in Beziehung zueinander. So ist das Portal in der Kasernenstrasse 95 als "Portal des Aussendens" zu deuten, das Portal Kasernenstrasse 97 als «Portal der Ankunft».

Moderne Formen des Transportes zu Wasser, auf dem Land und in der Luft stehen in beiden Portalen gleichwertig neben traditionellen und exotischen Transportmitteln. Neben gängigen Symbolen wie dem der Brieftaube gestaltete Carl Roesch die damals neue Form der Luftpostflüge mit einem Propellerflugzeug und fremdländische Arten des Warentransportes mit Kamelen, Eseln oder Kanus. Die je sechs Innenfelder zeigen im oberen und unteren Feld detailliert ausgeführte menschliche Paare, während die Mittelfelder eine sehr reduzierte Formensprache sprechen. Zum Ornament oder Symbol abstrahiert sind hier Arten der Verschnürung oder Bündelung dargestellt. Die Wahl exotischer Motive, afrikanische, ozeanische und asiatische, zeugen auch bei Carl Roesch vom damaligen Interesse an den sogenannten «primitiven Völkern». Sie sind Ausdruck einer Suche nach Unmittelbarkeit und Einfachheit. Das Alltagsleben der Naturvölker wurde zum Sinnbild eines ungezwungenen und ursprünglichen Lebens.

Carl Roesch zeigt in den Portalen ein alle Kulturen und Völker verbindendes Element, nämlich die unverfälschten emotionalen Reaktionen auf die Ankunft von Nachrichten. So deutet eine Geste Trost an, eine andere Neugier, Innigkeit oder Freude. Im «Portal der Ankunft» legt der Künstler die Gewichtung auf die Freude. Ein Korb mit Früchten, eine Schatulle mit Schmuck und Geschmeiden oder das Paket zum Weihnachtsfest sind Geschenke, deren tieferer Wert sich im zwischenmenschlichen Zusammensein, im gemeinsamen Erleben und Teilen zeigt.

(Text: Helga Sandl / Kunsthistorikerin)