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Münsters Allerheiligen in Schaffhausen / Drei Chorfenster «Salvator und Engelschöre» 1955

Die Benediktinerabtei Allerheiligen ist eines der grossen Reformklöster der hirsauischen Reform. Es zählt zu den grössten romanischen Sakralbauten in der deutschen Schweiz. Gegründet um 1050, wurde es dem heiligen Salvator und allen Heiligen geweiht. 1080 führte Abt Wilhelm von Hirsau die Reform nach dem Vorbild seiner Abtei durch. Geplant war damals ein fünfschiffiger Bau, der jedoch nie ausgeführt wurde. Stattdessen erbaute man die heutige, dreischiffige Basilika.

Im Zuge der Renovation des Münsters Allerheiligen zwischen 1950 und 1958 erhielt Carl Roesch 1952 den Direktauftrag von der Schaffhauser Münsterbaukommission für die Gestaltung der drei Chorfenster. Carl Roesch konnte damit im ältesten Teil dieses namhaften Sakralbaus eine seiner letzten grossen Glasmalereien ausführen. Im mittleren Rundbogenfenster ist Jesus als «Salvator mundi» (Retter der Welt) in Frontalansicht mit Nimbus dargestellt. Mit erhobenen Händen sitzt er auf einem Thron, seine Füsse ruhen auf einem Regenbogen, der symbolisch die Erde umspannt. Er wird in den beiden flankierenden Chorfenstern von den himmlischen Beratern, den Engeln begleitet. Entsprechend der Überlieferung ist die himmlische Hierarchie in drei Ordnungen von Engeln unterteilt: Seraphim, Cherubim und Throne bilden die höchste Ordnung, sie stehen Gott am nächsten und haben die Aufgabe, ihm zu dienen und ihn zu lobpreisen. Carl Roesch unterteilte die beiden Fenster in je drei Zonen mit Engeln in einheitlicher, stiller Gebetshaltung und gesenkten Köpfen. Vorherrschend sind in allen drei Fenstern leuchtende Blau- und Rottöne. Die vertikal gestaffelten, in blau gehaltenen Engelsreihen werden von roten, in leichtem Schwung aufsteigenden Bändern voneinander getrennt. Durch Reihung und Staffelung sich wiederholender Elemente - wie der grossflächigeren Gewänder- und Gesichtpartien - schafft der Künstler eine ruhige und einfache Ordnung, die die Diagonale betont. In den kleinteiligen Strukturen, aus denen sich die roten Bänder, die Faltenwürfe und die angedeuteten Flügelspitzen zusammensetzen, wird die Vertikale gestärkt, die die drei Zonen miteinander verbindet.

Der Künstler bleibt auch in der sakralen Glasmalerei der figürlichen Darstellung verpflichtet, erlangt aber durch Reduktion und Typisierung einen hohen Grad an struktureller Abstraktion. Dem ruhig wirkenden Gesamtaufbau schreibt er eine filigrane Lebendigkeit ein. Er nimmt den in der romanischen Glasmalerei vorherrschenden Schematismus und die Monumentalität in der Darstellung auf und überführt beides in eine moderne Formensprache. Die abstrahierte und einfache Komposition der Fenster korrespondiert so mit der schlichten und klaren Architektursprache des romanischen Baus. Im Zusammenwirken entfalten Kirchenraum und Glasmalereien ihre volle Wirkung.

Die Gestaltung als auch die aussergewöhnliche Leuchtkraft und Farbigkeit der Fenster erregten nach der Fertigstellung öffentliches Aufsehen und brachten Carl Roesch sowohl Lob, als auch harte Kritik ein, die ihn lange beschäftigte. Fünf Jahre nach Anbringung der Scheiben nahm er noch eine letzte farbige Korrektur vor und der rosafarbene Nimbus der Christusfigur wich einem grünen. Ohne Roeschs Einwilligung war 1958 ein Wandteppich bei der Textilkünstlerin Lissy Funk in Auftrag gegeben und unter die Chorscheiben gehängt worden. Beide Kunstwerke treten durch ihre Nähe in direkte Konkurrenz zueinander und vermindern sich in ihrer Wirkung. 2011 wurde der Wandteppich wegen einer Aufführung im Münster abgehängt und bisher nicht wieder aufgehängt, sodass die Glasfenster ihre volle Wirkung entfalten können.

(Text: Helga Sandl / Kunsthistorikerin