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Mosaik «Schwinget mit Zuschauern» gezeigt auf der Weltausstellung in Paris 1937

Vom 25. Mai bis 25. November 1937 fand die Weltausstellung in Paris unter dem Titel «Kunst und Technik im modernen Leben» statt. Der Grundidee der vorangegangenen Weltausstellungen folgend, wurden auch 1937 die grössten Errungenschaften aller wichtigen Nationen aus den Bereichen Wissenschaft, Technik und Kunst gezeigt. Der Anspruch, der hinter dem programmatischen Titel steckte, war jedoch neu. Die Frage nach der Rolle von Kunst und Technik im Alltagsleben wurde explizit gestellt. Kunst und Kunsthandwerk sollten dabei zusammengeführt und neue Stilrichtungen gefördert werden, um zu zeigen, dass das Schöne und Nützliche eine sinnvolle Einheit ergeben kann.

Insgesamt 46 Länder nahmen 1937 in einer politisch sehr angespannten Atmosphäre an der Weltausstellung teil. Die zwei markantesten Beispiele für die Inszenierung nationaler Ideologien und Propaganda waren die einander gegenüberliegenden Pavillons Deutschlands und der Sowjetunion. Mit ihrer klassizistischen Architektursprache standen sie im Gegensatz zum innovativen Ansatz und den Zielen der Weltausstellung. Spanien befand sich seit 1936 im Bürgerkrieg. Im filigranen Pavillon von José Luis Sert aus Glas und Stahl stellte Pablo Picasso sein weltberühmtes Antikriegsbild «Guernica» neben Alexander Calders «Quecksilberbrunnen» und Joan Mirós Gemälde «Der Schnitter» aus. Die grosse Zahl anderer namhafter Künstler wie Le Corbusiers mit seinem «pavillon des temps nouveaux», Henry van de Velde, Robert Delaunay, Fernand Léger oder Alvar Aalto verdeutlichen, dass Künstler von Weltruhm ihr jeweiliges Land vertraten.

Auch Carl Roesch zählte 1937 zu den anerkannter und erfolgreichen Künstlern seines Landes. Mit seinen dekorativen, grossformatigen Wandgestaltungen und Fresken war er Teil des nationalen wie internationalen zeitgenössischen Kunstdiskurses und stand zu dieser Zeit auf dem Höhepunkt seiner Karriere.

Roesch wurde als ein Repräsentant zeitgenössischer Schweizer Kunst neben Walter Clénin, Heinrich Danioth, Maurice Barraud, Arnold Huggler und Karl Geiser nach Paris gesandt. Er erhielt den Auftrag, ein Wandbild für den Hof des Schweizer Pavillons der Basler Architekten Bräuning, Leu & Dürig zu entwerfen.

Während einige seiner Schweizer Kollegen idyllische Landschaften, traditionelle Schweizer Motive mit folkloristischen Elemente wie Alphornbläser und Hirtenszenen realisierten, setzte sich Carl Roesch mit der Darstellung des «Schwingens», einem Nationalsport der Schweiz, von einem idealisierenden Schweizbild ab. Sein erster Entwurf, der ein schlicht gekleidetes Bauernpaar, eine Magd und Kühe zeigte, wurde von der Jury ablehnt. Mit dem zweiten Vorschlag «Schwinget mit Zuschauern» kam Carl Roesch den Vorstellungen der Jury in seiner Motivwahl entgegen, er blieb aber in der Umsetzung seinem eigenen Anspruch und seiner Bildsprache treu.

«Schwinget mit Zuschauern» ist ein monumentales Beispiel der «lebendigen Abstraktion» und der Suche nach der «bedeutsamen Form», die den Künstler lebenslang antrieb.