Das Umfeld

 

Zentral für Carl Roesch waren der ständige Austausch mit seiner Frau Margrit und ihr Urteil seines Schaffens. Ihre Ehe war eine echte Arbeitspartnerschaft. Er hatte Margrit Tanner in München kennen gelernt, wo sie sich zur Malerin ausbilden liess. Nach ihrer Heirat hat sie aber weitgehend auf ihr eigenes Schaffen verzichtet, vielleicht weil sie auf diese Weise ungebunden die Entstehung des Werks von Carl Roesch begleiten konnte. Was im Atelier entstand, hatte nämlich nicht nur dem Urteil des Malers sondern ebenso jenem seiner Frau zu genügen. Sie begleitete ihn auf seinen Reisen, zu Ausstellungen und wirkte mit bei der Vorbereitung seiner eigenen Ausstellungen. Sie war auch auf seinen Arbeitsgerüsten anzutreffen und arbeitete bei verschiedenen Werken mit. Gemeinsam pflegten sie einen grösseren Freundeskreis von Kunstinteressierten, Kunstschaffenden und Kunstvermittlern. Das letzte Jahrzehnt musste Carl Roesch dann ohne sie bestehen. Ihr Tod war ein herber Verlust.

 

Wichtigster Freund und künstlerischer Wegbegleiter war der wenige Jahre jüngere Bildhauer Max Uehlinger, ein Schaffhauser, der in Minusio lebte und dort arbeitete. Sie waren sich brüderlich verbunden und pflegten einen intensiven Austausch, der andauerte bis zum Tod von Carl Roesch. Zum Schaffhauser Freundeskreis gehörten die Maler Albert Schachenmann, Rudolf Frauenfelder und weitere. Zu nennen sind auch Hans Steiner, Präsident des Schaffhauser Kunstvereins und Max Freivogel, Kurator der Kunstabteilung des Museums Allerheiligen. Treffen gab es in Schaffhausen, im Atelierhaus, aber auch bei Uehlingers im Tessin. Eine eigentliche Arbeitsgemeinschaft ergab sich mit den fünfzig Jahre jüngeren Zwillingsbrüdern, den Fotografen Bruno und Eric Bührer. Sie wurden die fotografischen Dokumentalisten, fotografierten im Atelier, in Ausstellungen, bei Treffen. Als Eric Bührer seine Galerie zum Rehbock in Stein am Rhein eröffnete, bestritt Carl Roesch die erste Ausstellung.

 

Eine tiefe Freundschaft verband Roesch mit Guido Fischer, Kurator des Kunsthauses Aarau, der Roesch in seinem Haus ausstellte. Fischer hatte die Idee eines Buches über den Zeichner und Aquarellisten Carl Roesch. Allerdings entstanden nur einige Textfragmente, da eine schwere Krankheit seinen Plan durchkreuzte und seinem Leben ein Ende setzte. Es waren dann Albert Knoepfli und Heinrich Ammann, ebenfalls zum engen Freundeskreis von Roesch gehörend, die Fischers Idee aufgriffen und beschlossen, ein solches Buch gemeinsam zu verfassen. Dieses erschien 1974 beim Huber-Verlag mit dem Titel „Carl Roesch Zeichnungen“. Der Kunsthistoriker, Thurgauische Denkmalpfleger und ETH-Professor Albert Knoepfli war auch Autor der ersten Monographie über Carl Roesch, die 1958 ebenfalls im Huber-Verlag erschienen war mit dem Titel „Carl Roesch, Ein Beitrag zur Geschichte der Malerei seit 1900“. Heinrich Ammann war Kurator der Villa Sonnenberg, dem provisorischen Domizil des Thurgauer Kunstmuseums, das später in der Kartause Ittingen Einzug hielt. Auch Ernst Mühlemann, Präsident der Thurgauer Kunstgesellschaft, Dozent und bekannter Politiker, war öfters im Hause Roesch zu Besuch. Eine späte Freundschaft ergab sich mit dem Kunstsammler Ernst Schegg von Schloss Greifenstein bei Staad am Bodensee, der für Roesch in seiner Galerie eine Ausstellung einrichtete.

In jüngeren Jahren, als Roesch an verschiedenen Aufträgen in Zürich arbeitete, war er mit Zürcher Kollegen im Restaurant Odeon anzutreffen, etwa mit Otto Meyer Amden, Paul Bodmer, Henry Wabel und anderen. Roesch war Mitglied der Zürcher Sektion der GSMBA (heute visarte). Zum schweizerischen Beziehungsnetz gehörten auch Cuno Amiet, Max Gubler und Ernst Morgenthaler. Mit dem lange verkannten und heute bedeutenden Thurgauer Maler Adolf Dietrich bestand eine kameradschaftliche Beziehung, doch waren ihre Welten zu verschieden für einen vertieften Austausch. Das Roesch-Haus in Diessenhofen war ein offenes, viel besuchtes Haus. Aus dem Platz an der Peripherie war ein reger Treffpunkt geworden und blieb es bis in die letzten Jahre.

 

Tildy Hanhart, einstige Nachbarin, Kunsthistorikerin und Journalistin, gehörte zum Freundschaftskreis in seinen letzten Jahren